#training

Betti Eder

Trainieren in Zeiten von Corona

Das Team vom Cleat Magazine hat 5 Sportler aus unserer Cycling Community gefragt, wie Ihr tägliches Training in Zeiten des Corona-Virus vonstatten geht. Fünf Kurzinterviews, fünf Meinungen.

 

Und plötzlich ist alles anders. Durch die Corona-Pandemie hat sich für uns vieles grundlegend verändert. Das gilt auch für den Sport. Rennen und Veranstaltungen sind abgesagt, Ausfahrten und Unternehmungen in Gruppen untersagt. Die Saison, so scheint es, ist bereits zu Ende, bevor sie überhaupt beginnen konnte. Wir wollten von Profi-Sportlern und Trainings-Spezialisten wissen, wie ihr tägliches Training während der Corona-Krise aussieht, was sich für sie verändert hat und wie sie mit der neuen Situation umgehen. Fünf Kurzinterviews, fünf Meinungen.

 

Marcus Burghardt, Radprofi, Bora-Hansgrohe

„Um ehrlich zu sein ist es für mich derzeit keine große Umstellung. Ich trainiere so, wie ich es sowieso gewohnt bin – alleine. Allerdings bin ich heute viereinhalb Stunden ohne Pause durchgefahren, weil man momentan nirgendwo einen Kaffeestopp einlegen kann. Vom Rollentraining bin ich nicht so der Fan, auch nicht im Winter. Momentan kann man ja ganz gut draußen trainieren. Und bevor ich auf die Rolle gehe, mache ich dann lieber Skitouren. Die Rolle nutze ich nur, um mich zum Beispiel vor dem Zeitfahren warm zu machen. Hoffen wir mal nicht, dass es soweit kommt, dass man gezwungenermaßen Zuhause trainieren muss.“ 

 

Jonas Deichmann, Ultra-Cyclist, Extremsportler, Inhaber von sechs Weltrekorden

„Ich bin in der Schweiz bei meinem Vater untergekommen und trainiere dort. Ich mache momentan viel Fitness, also Training für den Oberkörper und gehe viel Laufen. Auf dem Fahrrad mache ich kleinere Runden, meist so um die 200 Kilometer, aber auch immer alleine oder mit meinem Vater zusammen. Auf der Rolle bin ich hingegen eher wenig, da ich wirklich lieber draußen trainiere. Die Frage ist natürlich, ob ich mein Triathlon-Projekt noch in diesem Jahr machen kann, weil die Grenzen ja derzeit zu sind. Die größte Herausforderung ist die, dass man eigentlich gar nicht genau weiß, wofür man trainiert. Es finden ja auch keine Rennen oder Veranstaltungen statt. Falls ich mein Triathlon-Projekt in diesem Jahr nicht mehr machen kann, werde ich es auf April verschieben.“

 

Norman Baum, Coach für Ultracycling

„Ich weiß zwar nicht, wofür ich gerade trainiere, aber eines ist sicher: es wird irgendwann weitergehen. Jetzt heißt es mental stark bleiben, am Fundament, also der Basis arbeiten, diszipliniert und konsequent im Training bleiben. Ich konzentriere mich im Training derzeit auf meine persönlichen Baustellen und arbeite gezielt an meinen Schwachstellen. Dafür ist nämlich jetzt genau die richtige Zeit. Sport hin oder her – ich nehme die gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst. Ausfahrten mache ich grundsätzlich nur noch alleine, meide Treffen mit Trainingskollegen und trainiere auch viel auf der Rolle. Die derzeitige größte Herausforderung für jeden Athleten, sei es Profi- oder Hobbysportler, ist die Motivation. Warum trainiere ich? Was ist das Ziel? Mit diesen Fragen werde ich als Trainer jetzt täglich konfrontiert.“

 

Betty Eder, Maloja Pushbikers

„Die Zeit daheim kann man gut nutzen, um die Stabilität des Körpers zu stärken. Wichtig sind dabei die Rumpf- und die Beinmuskulatur. Diese Grund-Stabilität benötigt man nicht nur für nahezu alle Sportarten, sondern auch für den Alltag. Um meine Ausdauer weiter aufrecht zu erhalten, versuche ich verschiedene Einheiten auf der Rolle zu fahren. So kann ich recht abwechslungsreich trainieren, ohne dafür das Haus verlassen zu müssen.“

 

Florian Bissinger, Ex-Profi, Spezialist für Training & Bikefitting „Way to Win“

„Nutzt erstmal die Ruhe und gönnt dem Körper eine kleine Auszeit, um Kraft zu tanken. Denkt dabei an euer Immunsystem. Rekorde können auch ein andermal gebrochen werden. In der letzten Woche habe ich es ruhig angehen lassen und mich auf eine gesunde Ernährung konzentriert. Heute bin ich eine Stunde vor dem Frühstück Laufen gegangen. Abends sitze ich meist noch für flotte 45 Minuten auf dem Rollentrainer. Unter der Woche versuche ich, den täglichen Weg in die Arbeit mit dem Rad zu fahren und mir so die Bewegung zu holen. Ich sehe das entspannt. Man sollte das Training jetzt einfach den Umständen anpassen und vor allem viel über die Ernährung steuern. Dann kann es in einigen Wochen wieder mit Schwung und Spaß bei der nächsten Gruppenausfahrt weitergehen.“

Dieser Artikel ist ursprünglich erschienen auf cleatmag.de

Photos & Text: Max Marquardt, Cleat Magazine

 

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