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Gigantenrunden im Aostatal

Das Aostatal ist umgeben von den höchsten Bergen der Alpen. Viele Trails auf über 3000 Meter über dem Meeresspiegel machen die Region so besonders!

 

Anfahrt:

  • Mit dem Auto ca. 7 h (Rosenheim - Brenner – Mailand - Aosta)

Unterkunft:

  • Aus praktischer Sicht bietet es sich an, eine Unterkunft mittig im Aostatal zu wählen. Die rund um das Tal verstreuten Touren sind so am einfachsten zu erreichen. Etwas abseits gibt es schönere Möglichkeiten zur Unterkunft, welche jedoch meist in etwas längerer Anfahrt zu den Trails resultieren.
  • Wir haben unser Zelt auf dem Campingplatz "Camping International Touring" bei Aosta aufgeschlagen.

Beste Reisezeit:

  • Juli bis September, wenn der Schnee auch in den Hochlagen verschwunden ist. Nach dem 15. August sollte man jedoch unbedingt die Öffnungszeiten der Bikeparks La Thuile und Pila beachten, da diverse Lifte dann bereits nicht mehr in Betrieb sind.
  • Da man bei der Anreise zuerst den Brenner und anschließend Mailand passieren muss, sollte man diese am besten auf einen Tag unter der Woche legen.

Im Tal:

  • Rechnet für die Anfahrten zu den Touren-Ausgangspunkten etwas Zeit ein. Die Stadt Aosta liegt auf 600 m und nicht selten starten die Touren erst auf 1500 – 2000 m. Auf den engen Bergstraßen verliert man schnell eine Menge Zeit im Auto.
  • Supermärkte gibt es in Aosta viele und die meisten haben auch am Sonntag geöffnet - praktisch!

 

Wir waren nun zum zweiten Mal in Aosta und haben bei unserem letzten Trip sieben Tage in der Region verbracht. Davon möchten wir euch im Anschluss fünf Trail-Schmankerl vorstellen:

 

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Col du Lauson (3299 ü.NN):

Bei der Auffahrt von Tignet auf den Pass Col du Lauson sind die Spezln von den 1600hm ungefähr ein drittel gefahren, den Rest mussten wir schieben oder tragen. Trotzdem lohnt sich der anstrengende Weg. Die surreale Landschaft auf dem Pass und der darauffolgende Trail entschädigen alle Strapazen. Die ersten 200 Tiefenmeter sind dabei ausgesprochen technisch und setzen definitiv Schwindelfreiheit voraus. Die Absturzgefahr ist hier nicht zu unterschätzen! Nach 500hm Trail muss das Rad dann noch einmal für ein paar Höhenmeter geschultert werden, bevor man sich dann vom Colle della Rossa in die finale Abfahrt stürzt. Diese ist im oberen Teil geprägt von losem Schotter (S3) und wird, je weiter man sich Cogne nähert, immer flowiger (S2). Uns blieb hier ganz besonders das ultra flowige Waldstück nach den Hütten in Les Orls-Dessus im Kopf.

In Cogne angekommen lässt man sich von seinem Shuttlefahrer abholen oder rollt entspannt die 15km Straße nach Aosta ab. Die Höhe sollte auch im Sommer nicht unterschätzt werden. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind wohl auch hier im August keine Seltenheit. Warme Kleidung ist also Pflicht!

 

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La Thuile - Wo gibts denn sowas?

Einen Bikepark der fast nur Naturtrails sein Eigen nennt gibt es nicht? Dann ab nach La Thuile! Wir waren jedenfalls mächtig erstaunt, was einem dort an Trails geboten wird. Unbedingt fahren solltet ihr den Track K der auch schon als EWS Stage genutzt wurde. Hier kommt man dem angrenzenden Gletscher Ghiacciaio del Rutor besonders nahe. Das Beste: Ein Tagesticket kostet für Biker schlappe 23 Euro.

Durch glückliche Fügung hatten wir am späten Nachmittag einen freiwilligen Shuttlefahrer zur Hand der uns auf den Pass Colle San Carlo (1950 m) bringen konnte. Von dort geht es auf einem durchgängig fahrbaren Uphill-Trail auf den Punta della Croce (2485 m), einen Aussichtsberg wie er im Buche steht. Dort oben geben sich die bekanntesten 4000er der Alpen die Hand, sodass man kaum mehr aus dem Staunen herauskommt. Für die Abfahrt nach La Thuile sollte man das Panorama dann aber ausblenden. Der Trail ist im oberen Teil durch den losen Schotter unberechenbar (S3), wird aber, je weiter man abfährt, zu einem wahren Flow-Feuerwerk (S2)! Kleine Herausforderung: Bei der EWS wurde dieser Trail am Stück gefahren. Wir haben uns in La Thuile von unserem Fahrer wieder auf den Pass Colle San Carlo bringen lassen und sind dort einen weiteren Trail nach Morgex abgefahren. Erst flowig auf erdigen Waldböden (S1-S2) wird dieser im unteren Teil richtig steil und erfordert noch einmal Bikebeherrschung auf gutem S3 Niveau. Hinterradversetzen ist Pflicht!

Für diese Tour sollte man entweder sehr früh oder spät starten, da man sich den unteren Teil des Uphills mit sehr vielen Wanderern teilt.

 

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Fenêtre de Durand + Mont Avril (3347 ü.NN):

Für eine Rundtour stellt man am besten sein Fahrzeug in Chatellair (ca. 1400 m) oberhalb von Valpelline ab und startet hier mit dem ersten Uphill nach Champillon. Von dort fährt man ca. 8 km ohne merklich Höhenmeter zu verlieren auf einem wunderschönen Suonen-Weg entlang. Dieser ist für sich schon ein Highlight dieser Tour, welches mit diversen Uphill-Challenges und kniffligen Tragepassagen versehen ist. An einer Felsdurchquerung ist es ggf. sinnvoll, das Vorderrad auszubauen, um das Rad nicht zu beschädigen. Die Querung wird durch eine eher technische (S3) 150hm Abfahrt beendet. In Balme de Bal (ca. 2100 m) angekommen geht es dann in den letzten Anstieg der Tour. Hier sollte man noch ordentlich Körner haben, um die 1300 Hm bis zum Mont Avril zu bewältigen. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass davon 1000 Hm geschoben bzw. getragen werden müssen. Leider wurden wir bei dem Versuch den Mont Avril zu erklimmen von einer Schlechtwetterfront überrascht und mussten somit frühzeitig auf dem Pass Fenêtre de Durand (2803 m) kehrt machen. Bereits am Pass hat man einen gigantischen Blick in das Wallis, womit allein schon dieser schon ein Tourenziel für sich ist.

Der Großteil der Abfahrt ist mit S2 zu bewerten wobei immer wieder auch S3-Stellen zu meistern sind. Überraschenderweise ist insbesondere der obere Teil der Tour extrem flowig zu fahren. Der Abschnitt von Farinet nach Glacier erfordert noch einmal eure volle Konzentration, hier sollte man definitiv auch im S3-Bereich zurechtkommen um Spaß zu haben. Das Ende der Tour wird mit der Fahrt durch den Ru Du Mont Tunnel abgerundet. Platzangst sollte man nicht haben, außerdem ist ein schmaler Lenker und eine geladene Stirnlampe zu empfehlen!

 

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Pila Bikpark - Point De La Pierre (2632 ü.NN)

Der Pikepark Pila hat etliche ausgeschilderte Strecken in verschiedenen Schwierigkeiten zu bieten. Wir fanden faste alle Trails sehr lohnend! Neben dem Park gibt es allerdings auch eine sehr interessante und vom Ausblick her lohnende Abfahrtsvariante über den Point de la Pierre. Mit dem Lift, der zentral in Aosta gelegen ist und sehr viele Parkmöglichkeiten für Autos und Camper bietet, geht es nach Pila. In Pila wechselt man dann auf den Sessellift nach Chamolé. Von dort aus rollt man 150 Hm abwärts zum letzten Lift Namens Couis 1. Bei diesem Lift empfiehlt es sich, vor dem Start in Aosta die Öffnungszeiten zu erfragen, da dieser in der Regel nach dem 15. August bzw. Anfang September bereits nicht mehr in Betrieb ist. Oben am Bergkamm angekommen, folgt man diesem für ca. 3 km n Richtung Westen.

Der Ausblick hier oben ist wirklich unglaublich und entschädigt das auf und ab, bei dem zwar insgesamt nur rund 100 Hm hoch wie runter zu bewältigen sind, welche einem jedoch nach weitaus mehr vorkommen. Am Point de la Pierre (2653 m) angekommen, folgen 1900 Hm Trail am Stück! Der erste Teil des Weges vom Gipfel bis zur Kreuzung bei Champchenille ist nicht immer klar ersichtlich und mit S1 bis S2 zu bewerten. Ab Champchenille beginnt ein S2 Trail, der sich unglaublich flüssig durch den Wald schlängelt! Weiter unten wird der Trail immer schneller und teils auch schwieriger (S3). Bei Nässe ist hier Vorsicht geboten! Wir fanden den Trail trotz einiger ruppiger Stellen wirklich erstklassig und können Ihn euch nur ans Herz legen! Als Alternative falls der Sessellift Couis 1 nicht in Betrieb sein sollte und der Aufstieg zum Point de la Pierre zu anstrengend erscheint, kann man von Chamolé nach der Talstation Couis 1 auch einfach der Forststraße weiter bis Grimandet (ca. 2100 m) folgen und erst dort in den Trail einsteigen. Die Abfahrt verkürzt sich so auf ca. 1400 Hm.

 

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Passo d’Invergneux (2905 m)

Der „Banzai-Trail“ vom Passo d’Invergneux wird im Internet schon fast inflationär oft beschrieben. Da es sich bei diesem Trail schlichtweg um ein Must-Do für jeden Aosta-Trip handelt, darf er natürlich auch in diesem Reisebericht nicht fehlen. Abgesehen von den üblichen Beschreibungen haben wir aber natürlich noch den ein oder anderen Tipp auf Lager.

Für die Tour begibt man sich zunächst in das Val di Cogne, ein Seitental des Aostatals. Bei Anreise mit dem Auto parkt man auf einem der zahlreichen Bezahlparkplätze zwischen Cogne und Lillaz. Der Uphill beginnt anschließend in Lillaz über eine anfangs asphaltierte und später geschotterte Straße. Durch die sehr angenehme Steigung vergehen die knapp 800 hm bergauf bis zur Alm Pianas wie im Flug. Bei der Alm angekommen biegt man links ab und folgt der nun etwas steileren Straße, bis auf ca. 2600 m linkerhand ein Wanderweg mit dem Wegweiser „Passo d’Invergneux“ abzweigt. Diesem folgt man wahlweise fahrend oder schiebend, später kurz tragend bis man auf 2905 m den Pass erreicht. Mit einer grandiosen Aussicht auf das gegenüberliegende Gran Paradiso Massiv lädt der Ort zu einer Pause ein, bevor man in die 1400 Hm lange Abfahrt Richtung Cogne startet. Ohne große Schwierigkeiten, aber dafür umso flowiger, startet der Trail im S1-Niveau hochalpin vom Pass. Es sind nur vereinzelte S2-Stellen zu meistern und erst bei Erreichen der Baumgrenze kurz oberhalb der Alm Pila ist für ca. 150 Hm ein steileres Trailstück mit einigen S3-Stellen zu bewältigen. Von hier an geht es meist flowig (S1) zurück bis Cogne, den Gran Paradiso immer im Blick. Während man bei der Auffahrt und der ersten Hälfte des Trails nur selten jemandem begegnet, ist spätestens ab der Alm Pila mit einem gewissen Wandereraufkommen zu rechnen, da die Almen Grauson und Pralognan ein beliebtes Ausflugziel darstellen.

Die Tour lässt sich auch gut als Zweitagestour mit Start am mittleren oder späten Nachmittag in Cogne bzw. Lillaz durchführen. Die Nacht haben wir bei dieser Variante mal im gut 2500 m hoch gelegenen Rifugio Sogno di Berdzé verbracht, welches im Sommer insbesondere nach dem 15. August kaum mehr besucht ist. Das Essen bei Hüttenwirt Roberto ist hervorragend und bei einem zeitigen Frühstück kann der zweite Teil der Tour am nächsten Morgen früh und mit nur sehr geringem Aufkommen an Wanderern auf dem Trail absolviert werden. Den finalen Anstieg zum Passo d’Invergneux erreicht man bei dieser Variante am besten über den hinter der Hütte beginnenden Wanderweg vorbei am Lac Poton.

 

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Nützliche Links:

 

Die Beachtung der DIMB-Trailrules sollte für alle Biker selbstverständlich sein!

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